Zahnspange
Zahnspange - So gut wie unsichtbar - Auch für Erwachsene
Die Kieferorthopädie (KFO) ist ein Teil der Zahnmedizin und befasst sich mit der Zahn- und Kieferfehlstellungen. Diese werden mit Hilfe von Zahnspangen (Zahnspange) korrigiert. Eine Zahnspange ist eine Apparatur, mit der Kiefer und Zahnfehlstellungen und oftmals damit verbundene muskuläre Dysbalanzen im Mundbereich (CMD) korrigiert werden. Die Behandlung mit einer Zahnspange kann prinzipiell durch jeden spezialisierten Zahnarzt in der Kieferorthopädie durchgeführt werden. Die Kieferorthopädie ist ein Fachgebiet der Zahnmedizin. Sie befasst sich mit der Diagnose und Behandlung von Zahn- Mund-und Kieferfehlstellungen. Die dazu eingesetzten Apparaturen werden in der Umgangssprache als "Zahnspange" bezeichnet. Statistiken gehen davon aus, dass in Deutschland 50-60% aller Kinder und Jugendlichen kieferorthopädisch behandelt werden sollten. Auch für erwachsene Patienten gewinnt dieses Teilgebiet der Zahnmedizin immer mehr an Bedeutung. Fälschlicherweise wird der Begriff Zahnspange auch als Synonym für Prothesen (herausnehmbarer Zahnersatz) verwendet.
Geschichte der Zahnspange in der Kieferorthopädie
Edward H. Angle ist der Vater der "neuzeitlichen Kieferorthopädie". Er veröffentlichte im Jahr 1887 ein Buch in dem er Bißanomalien beschreibt, die auch heute noch in Klassen eingeteilt werden, die nach ihm benannt wurden. Diese Klassen sind der Neutral, der Mesial, der Distalbiß. Zur Korrektur dieser Fehlstellungen führt er den sog. Edgewise Mechanismus ein, bei dem der Drahtbogen (als Zahnspange) in Schlitzen der Brackets gehalten werden. Er war auch der erste Kieferorthopäde der Brackets der Zahnspange zum Befestigung der Drahtbögen verwendete. Seine Technik wird bis heute bei der festen Zahnspange verwendet.
Später wurden die herausnehmbaren Dehnapparaturen (Zahnspange) von A.M. Schwarz und sogenannte "funktionelle" Behandlungen mit Aktivatoren von Vigo Andresen und Häupl entwickelt. Die moderne Zahnspange, auch als "Elastisch offene Aktivator" oder "EOA" bezeichnet, wurde vom Görlitzer Zahnarzt Dr. Klammt entwickelt.
Welche Arten der Zahnspange gibt es ?
Bei den aktiven Zahnspangen unterscheidet man in: feste Zahnspange und herausnehmbare Zahnspange, oder auch lockere Zahnspange genannt. Die herausnehmbaren Zahnspangen, ausgenommen die Therapie mit Invisalign, werden hauptsächlich bei der kieferorthopädischen Behandlung von Kindern und Jugendlichen angewendet. Bei Erwachsenen Patienten werden herausnehmbare Zahnspangen wie Plattenapparaturen selten angewendet. Hier kommt die feste Zahnspange zum Einsatz. Der Nachteil der herausnehmbaren Zahnspange ist, dass man auf die Mitarbeit der Patienten angewiesen ist. Es können auch nicht alle Zahnbewegungen mit einer solchen Plattenapparatur durchgeführt werden. Ein Bionator ist eine herausnehmbare Zahnspange, welche zur ganzheitlichen Behandlung in der Kieferorthopädie angewendet wird.
Die feste Zahnspange besteht im wesentlichen aus drei Bestandteilen. Dies sind die Brackets für die Frontzähne und die kleinen Seitenzähne, die Bänder für die hinteren dicken Backenzähne auch Molaren genannt und die kieferorthopädischen Bögen.
Viele Patienten bezeichnen heute auch Multibracketapparatur als feste Zahnspange. Das Bracket (engl. Halter) hat in der Regel eine Basis mit der es an den Zahn geklebt werden kann, einen Schlitz (slot genannt) in den der Drahtbogen hineingelegt werden kann und ein vier Flügel, die dazu dienen um den Drahtbogen mit Ligaturen am Bracket zu befestigen oder Gummiketten (chains) an den Zähnen einzuspannen um die Zähne zu bewegen. Manchmal können kleine Implantate als Hilsmittel für eine kieferorthopädische Behandlung in Zusammenhang mit Zahnbewegungen angewendet werden. Mittels transgingivaler Implantatsetzung(durch das Zahnfleisch) werden die Minnischrauben minimalinvasiv(SIC) in dem ortsständigen Knochen verankert. So kann in diesen Fällen auf eine großvolumige Zahnspange verzichtet und Zahnbewegungen schnell und effektiv durchgeführt werden.
Gibt es die unsichtbare Zahnspange und welche Vorteile bietet sie bei Zahnfehlstellungen?
Invisalign heißt eine neue Therapie (invisible: unsichtbar / align: ausrichten, begradigen). Eine Vielzahl fast nicht sichtbarer Tiefziehfolien ermöglicht es, Zähne sanft in die gewünschte Position zu bewegen. Computerspezialisten aus Amerika von der Firma Align entwickelten ein dreidimensionales Software-Planungs-und Diagnostikprogramm. So ist es problemlos möglich das geplante Behandlungsergebnis am Computer zu simulieren. Step by Step werden die Zwischenschritte durch den Kieferorthopäden am Computer berechnet und dann daraus die entsprechenden, klaren Tiefziehfolien hergestellt. Der Patient erhält dann ca 10-40 unsichtbare Zahnspangen. Diese Zahnspange wird dann jeweils zwei Wochen getragen und dann wechselt der Patient das Schienensystem. Diese unsichtbaren Zahnspangen sind gerade für Erwachsene geeignet, welche auf die festsitzenden Apparaturen verzichten wollen und bieten so einen nicht zu unterschätzenden Komfort. Nur speziell ausgebildete und hierfür zertifizierte Kieferorthopäden dürfen diese Zahnspangen-Behandlung durchführen.
Ist die Entfernung eines Weisheitszahnes vor dem Tragen einer Zahnspange erforderlich ?
Wenn ein Platzmißverhältniss zwischen Angebot und Duchbruchsrichtung des Weisheitszahnes beobachtet wird, ist es in jedem Fall sinnvoll die Weisheitszähne vor dem Tragen einer Zahnspange entfernen zu lassen. Da dieser ambulante operative Eingriff für Kinder-Jugendliche nicht besonders angenehm empfunden wird, empfiehlt es sich diese Behandlung in Vollnarkose oder im Tiefschlaf beim Zahnarzt vornehmen zu lassen. In einigen Fällen wird nach dem Tragen der Zahnspange bzw. dem Abschluß der kieferorthopädischen Behandlung die Entfernung der 3.Molaren empfohlen. Gerade die Unterkieferfrontzähne besitzen eine hohe Rückfallquote bezüglich ihrer Zahnstellung.
Ist nach dem Entfernen der Zahnspange ein Retainer sinnvoll ?
Das Ziel der Retention ist, ein Behandlungsergebnis nach dem Tragen einer Zahnspange so zu stabilisieren, bis der Kiefer diese neue Zahnstellung als regelrecht empfindet. Oft gibt es Rezidive nach dem Abschluß einer kieferorthopädischen Behandlung . Man darf nicht vergessen, dass jede Behandlung mit der Zahnspange einen Eingriff in den Mundraum darstellt. Hierbei werden Zähne verschoben, gedreht und meist die Relation der Kiefer geändert. Das veränderte System "Mundraum" wird jedoch oft versuchen wieder in seine alte Ausgangslage zurückzugehen. Meist muss nach solchen Rezidiven erneut eine Zahnspange vom Zahnarzt angefertigt werden. Ein Retainer sieht auf den ersten Blick wie eine Zahnspange aus. Es fehlen jedoch die typischen Charakteristika wie Dehnschrauben, Federchen und sonstige Halteelemente. Diese modifizierte Zahnspange wird durch einen Drahtbogen an den Zähnen festgehalten. In der Erwachsenen KFO wird oft ein Lingualretainer eingesetzt. Dieser Lingualretainer besteht aus einem flexiblen Draht, der mit einem Composite auf die Innenflächen der Zähne geklebt wird.
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Dr.med.dent. Frank Seidel, Zahnarzt für Oralchirurgie, TSP Implantologie
Tel.: 033203 - 85200, 14532 Kleinmachnow bei Berlin (Potsdam Mittelmark)
Literatur zum Thema Zahnspange:
Invisalign oder die unsichtbare Behandlung von Zahnfehlstellungen, Gummelt, A. , Miethke, Rainer-Reginald, Quintessenz Team-Journal 38 (2008), Nr. 10, Seite 519 - 528, Quintessenz-Verlag Berlin
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