Mundschleimhaut verändert?
Die vielfältigen Besonderheiten der Mundschleimhaut
Die Mundschleimhaut ist Teil der Körperoberfläche und besitzt jedoch gegenüber der angrenzenden äußeren Haut wesentliche Unterschiede und Besonderheiten. So zeigt die Mundschleimhaut keine oder nur eine geringe Verhornung, wodurch ein geringer Widerstand gegen Irritationen und mechanischen Verletzungen gegeben ist. Akute mechanische, physikalische und chemische Traumatisierungen der Mundschleimhaut kommen relativ häufig vor(Zahnfleischentzündung), jedoch besteht aufgrund der guten Durchblutung und der hohen Regenerationsfähigkeit des Mundhöhlenepithels eine sehr gute Heilungstendenz. Chronische Irritationen bzw. Reizungen der Mundschleimhaut können dagegen zur Überbelastung des regenerierenden Epithels und damit zur malignen Entartung führen. Oft bildet sich innerhalb einer Früherkerkrankung der Mundhöhle aufgrund og Faktoren nur eine einfache Blase im Mund.
Veränderungen der Mundschleimhaut sind nicht selten und reichen von harmlosen, nicht behandlungsbedürtigen Normabweichungen bis zu malignen Tumoren, deren Nichtbehanbehandlung schwerwiegende Folgen für den Patienten haben kann. Häufig suchen Patienten mit Veränderungen an der Mundschleimhaut zunächst ihren Zahnarzt auf,der die Erstuntersuchung und Behandlung durchzuführen hat und ggf. weitere diagnostische und therapeutische Maßnahmen veranlassen muss. Auch bei sexuellen Praktiken(Oralsex) kann die Mundschleinmhaut verletzt werden. Die oberflächlichen Läsionen in der Mundschleimhaut heilen aber meist problemlos ab. Meist kann der Zahnarzt auf diese Defekte eine Wundheilpaste(Solcoseryl*) auftragen, was die Wundheilung beschleunigt. Diskutiert wird vielmehr, ob die Schleinmhautläsionen als Eintrittspforte für Bakterien oder Viren dienen können.
So spielt die Mundschleimhaut innerhalb der Krebsfrüherkennung in der Mundhöhle eine zentrale Rolle. Virale oder bakterielle Erkrankungen zeichnen oft diagnostische erkennbare Muster innerhalb der Mundschleimhautund und sind deshalb komplementär zusammen mit der internistischen Diagnostik von zentraler Bedeutung. Eine wichtige Schutzfunktion für die Mundschleimhaut(und die Zähne) erfüllt der von großen und kleinen Speicheldrüsen sezernierte Speichel. Eine Verminderung der Speichelproduktion führt meist zu Veränderungen der Mundschleimhaut und später aufgrund von Mundtrockenheit zu einer Karies.
Auch besitzt die Mundschleimhaut eine besondere Bedeutung in der Wundheilung nach operativen Eingriffen(Weisheitszahnentfernung, Implantation, Wurzelspitzenresektion) und ist nicht zuletzt ein bedeutender Faktor innerhalb der primären Wundheilung. Diese Form der Wundheilung ist nur möglich, wenn die Wundränder nach der ambulanten Operation unmittelbar aneinanderliegen oder primär mit einer sicheren Naht verschlossen sind. Voraussetzzungen für eine komplikationslose Heilung einer vernähten Wunde sind glatte Schnittränder, Fehlen von Wundnekrosen und das Ausbleiben einer Entzündung. Die postoparative Gabe eines Antibiotikums sichert diesen Regenerationsprozess und schützt zudem den Eintritt von Infektionserregern in die Mundschleimhaut.
Bei Zahnimplantaten spielt nicht nur ein ausreichendes bzw. gesundes Knochenangebot eine wichtige Rolle bei der Implantateinheilung(Osseointegration). Hier besitzt die Mundschleimhaut über die implantatgingivale Barriere eine wichtige Schutzfunktion vor einer Implantatentzündung(Periimplantitis). Auch bei natürlichen Zähnen kommt es bei einer Entzündung der Mundschleimhaut(Gingivitis, Zahnfleischerkrankung) und deren Nichtbehandlung zu einer später verlaufenden chronischen Parodontose. Zur Prophylaxe beim Zahnarzt gehört deshalb nicht nur die professionielle Zahnreinigung der Zahnoberflächen, sondern auch die Inspektion bzw. Reinigung der Zahnzwischenräume zusammen mit der Mundschleimhaut. Regelmäßige Mundspülungen bieten idR zusammen mit dem richtigen Zähneputzen einen Schutz vor der chronischen Infektion der Mundschleimhaut. Verletzungen der Mundschleimhaut kommen beim Oralsex sehr oft vor, deswegen empfiehlt hier der zahnarzt die Anwendung eines Kondomes.
Für die naturgetreue Herstellung von Zahnersatz ist das Verhältniss von weißer zu roter Ästhetik tragend für den späteren Langzeiterfolg. Nicht nur die Zahnfarbe und die Zahnform bestimmen maßgeblich das äußere Erscheinungsbild von Zahnkronen und Zahnbrücken , sondern auch eine optimal adaptierte und im Verhältniss gut angepasste Mundschleimhaut zu der zahnärztlichen Suprakonstruktion sind wesentlich entscheidend für die Zahnästhetik. Oft erfolgt auch deshalb vor größeren implantat-prothetischen Rehabilitationen ein entprechender Aufbau der Mundschleimhaut(Gingiva-Transplantat).
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Dr.med.dent. Frank Seidel
Zahnarzt für Oralchirurgie
TSP Implantologie
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