Essstörung-Bulimie-Zahnarzt-Berlin
Zahnarzt-Essstörung/Bulimie-Prävention-Erosion
Was ist eine Essstörung(Ochsenhunger) ?
Die Bulimia nervosa - umgangssprachlich auch als Bulimie oder Ess-Brech-Sucht bezeichnet (genaue Übersetzung: Ochsenhunger) ist eine Essstörung, auch wenn die Betroffenen oft nicht durch Über- oder Untergewicht auffallen. Deshalb ist die Krankheit besonders für Außenstehende nicht leicht erkennbar und meist psychologischer Natur.
Auf der einen Seite zügeln die Betroffenen ihr Essverhalten, andererseits erleben sie immer wieder Heißhungerattacken und Essanfälle (Fressattacken). Während Heißhungerattacken haben Betroffene meist nicht nicht zu kontrollierende Bedürfnis, große Mengen an Nahrung zu sich zu nehmen. Da die Essstörung nicht kontrollierbar sind, wird das Gewicht typischerweise durch Erbrechen und die Einnahme von Abführmitteln und/oder Diuretika (harntreibende Medikamente) kontrolliert. Dieses sich permanent wiederholende Verhalten hat körperliche und psychische Folgen, die den Krankheitsprozess wiederum unterhalten.
Der Drang bei Bulimie-Erkrankten, möglichst viel Nahrung in kürzester Zeit zu verschlingen, ist nicht kontrollierbar und die Nahrungsaufnahme entsprechend exzessiv. Die Nahrungsmittel sind leicht verfügbar, schnell zu essen, kalorienreich und in der Vorstellung des Betroffenen verboten (zum Beispiel Pudding, Schokolade, Chips, Fastfood, Gummibärchen). Meist schämen sich die an Bulimie Erkrankten, verstecken die Fressattacken vor Arbeitskollegen und Familienangehörigen und halten bestimmte Rituale ein. Ein Sättigungsgefühl wird nicht wahrgenommen und die Anfälle erst durch Schmerzen, Mangel an weiteren Nahrungsmitteln oder Störungen von außen beendet.
Im Vordergrund steht die krankhafte Sorge um die Figur und das Körpergewicht. An Bulimie Erkrankte haben meist eine verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers (Körperschemastörung): Sie schätzen ihr Aussehen und ihre Figur sehr negativ ein, obwohl sie objektiv normalerweise attraktiv und schlank sind. Sie haben übertriebene Angst vor einer Gewichtszunahme. Ihre Angst beherrscht das Denken, Fühlen und nicht selten den ganzen Tagesablauf und damit die persönliche Freiheit. An einer Esstörung Erkrankte leiden häufig unter depressiven Verstimmungen bis hin zur Selbstmordgefährdung und haben ein geringes Selbstwertgefühl.
Wie häufig ist die Bulimie-Erkrankung und sind auch die Zähne betroffen ?
Etwa 90 Prozent aller an Bulimie Erkrankten sind Mädchen und Frauen. Unter den 18- bis 35-Jährigen ist die Zahl der Betroffenen besonders hoch. In dieser Altersgruppe leiden etwa zwei bis vier Prozent an Bulimie. Jeder fünfte Essgestörte ist mittlerweile ein Mann. In Deutschland leiden etwa 3,7 Millionen Menschen unter Untergewicht. Davon sind 100.000 an Magersucht und 600.000 an Essstörung erkrankt
Die Magensäure zerstört die Zähne
Bei Bulimie Erkrankten kommt es zu Säureschäden an den Zähnen, welche zuerst an der Innenseite der Oberkieferzähne auftreten und daher oft unbemerkt bleiben. Oberflächliche Schäden bezeichnet man als Erosionen. Die Zahnerosion ist der oberflächliche Zahnhartsubstanzverlust, der durch chemische Einflüsse (Säure) und ohne Bakterienbeteiligung verursacht wird. Damit unterscheidet sich die Zahnerosion in ihrer Entstehung entscheidend von der bakteriell bedingten Karies. Die Säure aus dem Magen, welche sonst zur Verdauung eingesetzt wird greift jetzt die Zahnoberfläche an. Mittelfristige Schäden zeigen sich dann an den Schneidekanten der Front- und Eckzähne. Nach Jahren werden auch an anderen Zähnen starke Veränderungen beobachtet: Im fortgeschrittenen Stadium kann es gar zu erheblichen Verkürzungen der Schneidekanten kommen. Zahnfüllungen ragen nun über den gedachten Füllungsrand hinaus. Gelblich erscheint danach der Zahn durch seinen Verlust an Substanz, da das Zahnbein (Dentin) jetzt durchzuscheint. Im beginnenden, letzten Stadium von Erosion können dann die Schädigungen das Dentin erreichen. Dies macht sich durch die Empfindlichkeit bei Wärme und Kälte bemerkbar empfindliche Zähne) und auf den Kauflächen flachen die Höcker der Zähne zunehmend ab.
Gibt es eine Prophylaxe gegen säurebedingte Schäden an den Zähnen ?
Die Bulimie muss entsprechend psychologisch behandlet werden. Beim Zahnarzt sollten Sie sich Tipps zur gesunden Ernährung und zur Zahnreinigung geben lassen. Meist ist es auch der Zahnarzt eine Essstörung als erster diagnostiziert.
Auch durch zuckerfreien Kaugummi wird der Speichelfluss angereicht und hierdurch ein neutralisieren der Säuren, sowie ein Schutz der Zähne vor Erosion erreicht.
Das Abbauen von Zahnschmelz wird durch richtiges Zähneputzen vermieden. mit einer entsprechenden Zahnbürste vermieden. Besonders wichtig sind kleine, kreisende Bewegungen, besonders im Bereich des Zahnfleisches und der Zahnhälse. So der Rückgang von Zahnfleisch und das Freilegen der Zahnhälse vermieden.
Bei Erbrechen sollten nicht umgehend die Zähne geputzt werden, sondern vorab der Mund gründlich ausgespült sein. Käse, Milch und weitere kalziumhaltige Nahrungsmittel reduzieren den Säuregehalt im Mundraum. Der Zahnarzt selbst kann die Zahnhartsubstanz durch Anfertigung von Kronen und Brücken aus Keramik optimal schützen und so die natürlichen Bissverhältnisse wieder rehabilitieren. Sehr oft gehen bei massiven Säureangriffen die Okklusion(richtiges Zusammenbeissen der Zähne) verloren und kann fortführend zu Zahnschmerzen und Kiefergelenksbeschwerden führen.
Literatur zum Thema Bulimie, Essstörung und Erkennung durch den Zahnarzt:
Restauration erodierter Zähne unter Einsatz von Vollkeramik, Ein Fallbericht, Weber, Claudia, Edelhoff, Daniel, Brix, Oliver, Die Quintessenz 58 (2007), Quintessenz-Verlag Berlin
Innovative Behandlungskonzepte unter Einsatz vollkeramischer Werkstoffe ermöglichen in Kombination mit der adhäsiven Befestigung eine deutliche Reduzierung des Abtrages gesunder Zahnhartsubstanz bei indirekten Restaurationen. Anhand eines Fallberichtes wird die komplexe prothetische Rehabilitation(Zahnersatz) multipler erosiver Defekte einer jungen, vormals an Bulimie erkrankten Patientin mit verschiedenen vollkeramischen Restaurationsmaterialien dargestellt. Nur durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Patientin, Zahnarzt und Zahntechniker konnte die exakte Festlegung und Realisierung des Behandlungsziels erreicht werden. Als effiziente Hilfsmittel für die Kommunikation, die Entscheidungsfindung und die anschließende Präparation erwiesen sich diagnostische Schablonen sowie modifizierbare Provisorien.
Bulimie - die Essstörung, die der Zahnarzt entdeckt, van Oost, G., Quintessenz Team-Journal 33 (2003), Quintessenz Verlag Berlin
Ästhetische Defizite durch Verlust von Zahnhartsubstanz: Entstehung, Diagnose, Behandlung und Wiederherstellung, Ahmad, I., QZ - Quintessenz Zahntechnik 33 (2007), Quintessenz-Verlag Berlin
Dr.med.dent. Frank Seidel
Zahnarzt für Oralchirurgie
TSP Implantologie
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