Antibiotikaprophylaxe
Antibiotikaprophylaxe in der Implantologie
Antibiotika nehmen in der Verordnungshäufigkeit eine Spitzenposition in der Medizin und Zahnmedizin unter den meistverordneten Medikamenten ein. So werden in der Humanmedizin pro Jahr 300 Tonnen von Ärzten verordnet. In der Implantologie mit meist simultanen Augmentationen oder Mehrfach-Implantationen ist mittlerweile die Prophylaxe mit Anibiotika ein zentrales Thema.
Problematisch wird immer noch bei einem steigenden Antibiotikaeinsatz(auch in der Implantologie) die daurch stetige zunehmende Entwicklung resistenter Bakterienstämme gesehen. Eine weitere beobachtete Problematik gerade auch nach der Durchführung von ambulanten Operationen(Wurzelspitzenresektion, Weisheitszahnentferng, Zahnimplantate) ist eine auftretende Diarrhö im Volksmund auch als Durchfall bezeichnet. Meist findet sich hierfür kein verursachender Keim und man geht von einer Störung des mikrobiologischen Ökosystems im Magen - Darmtrakt aus. So sollen im Vorfeld verordnete Probiotika über die Zufuhr ausgesuchter Mikroorganismen prophylaktisch die Darmflora stabilisieren. Dieser sollte hier eine konstruktive Zusammenarbeit mit seinem Internisten entwickeln.
Welche Antibiotika werden nun gerade in der Zahnmedizin prophylaktisch gegen Entzündungen und Infektionen eingesetzt ?
Eine Kombination aus Amoxicillin und Clavulansäure wird als sehr gut wirksam gegenüber odontogenen Keimen beobachtet. Lincosamide mit der Leitsubstanz Clindamycin weisen in Ihrer Anwendung in der Zahnmedizin eine sehr gute Knochengängigkeit auf, aber erweist sich hinsichtlich der Nebenwirkungen im Magen-Darmtrakt als negativ führend. Die Antibiotikaprophylaxe bei Patienten mit dem Risiko für eine infektiöse Endocarditis wird allerdings nicht mehr für alle Patienten befürwortet. Hier wird nur noch eine Prophylaxe empfohlen, wenn ein hohes Risiko für eine infektiöe Endocarditis besteht.(Klappenersatz, angebohrene Herzfehler etc.)
Die Frage der Antibiotikaprophylaxe bei der Insertion von Zahnimplantaten wird zunehmend bejaht. So gibt es mittlerweile Hinweise darauf, dass die Gabe von 2 g Amoxicillin eine Stunde vor der Zahnimplantation die Zahl der Frühverluste bei Dentalimplantaten signifikant reduziert. Umstritten ist nach wie vor die postoperative Antibiotikaprophylaxe. Bei ambulanten Operationen wird nach einer Mitteilung der Komission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention die prophylaktische Gabe eines Antibiotikums nach der Invasivität des operativen Eingriffes und in Abhängigkeit nach der Kontaminationsmöglichkeit während der Operation mehr oder weniger befürwortet.
Insgesamt sollte eine längere Antibiotikaprophylaxe nach der Insertion von Zahnimplantaten bezüglich der Nebenwirkungen und etwaigen Resistenzentwicklungen als kritisch beurteilt werden. Die einmalige Gabe vor der Operation reduziert jedoch die Chance eine Implantatverlustes währen der obligaten Einheilzeit und bietet so Schutz für eine langfristige Osseointegration. In unserer Praxis werden deutlich weniger Infektionen und Entzündungen bei einer prä-und postoperativen Antibiotikaprophylaxe nach Zahnoperationen beobachtet.
Dr.med.dent. Frank Seidel
Zahnarzt für Oralchirurgie
TSP Implantologie
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