Zahnimplantate

Zahnersatz: Qualität sollte vor Preis gehen

Zahnersatz: Unter 10 Prozent aller prothetischen Maßnahmen beruhen auf Qualität

perfekter ZahnersatzDas IQWiG beklagt im Vorbericht eine völlig unzureichende Datenlage aufgrund fehlender wissenschaftlicher Untersuchungen in der Versorgungsforschung zu Zahnersatz. Der DGZPW-Vorstand schließt sich dieser Position in seinem Schreiben and das IQWiG an: „Aus Sicht der wissenschaftlichen Fachgesellschaft ist festzustellen, dass auf dem Gebiet der Prothetik die Wissensbasis auf höchstem Evidenzniveau sehr schmal ist. Man geht davon aus, dass unter 10 Prozent der prothetischen Maßnahmen auf hochwertiger Evidenz beruhen.“
Obwohl sich das Institut nicht allein auf gesicherte, randomisiert-kontrollierte Studien bei seiner Überprüfung beschränkte, konnte es nur 17 Studien in eine Bewertung einschließen, und nur in einer davon waren die infrage stehenden Zahnersatzformen direkt miteinander verglichen worden. „Somit bleibt unklar, ob die Beschaffenheit der Gegenbezahnung einen Einfluss auf den für Patienten bedeutsamen Nutzen von festem oder herausnehmbarem Zahnersatz hat“, lautet die Schlussfolgerung des IQWiG. Als Aspekte des patientenrelevanten Nutzens hatte das Institut die Funktionsdauer, die Veränderung des Ernährungsverhaltens, die Patientenzufriedenheit sowie den Aufwand für Prothesenpflege und -nachsorge untersucht.
Das Einbeziehen patientenbezogener Variablen in der zahnmedizinischen Forschung durch das IQWiG entspreche einer modernen zahnmedizinischen Prothetik, so Walter. Der DGZPW-Präsident will diese in seinem Brief an das IQWiG jedoch erweitert sehen: Hier wäre insbesondere der Aspekt der sekundären Prävention zu nennen, der Früherkennung und Verhinderung von Folgeschäden beinhaltet. Zentral dabei sei der Strukturerhalt der oralen Gewebe, insbesondere der Erhalt der Restbezahnung und der zahnlosen Alveolarfortsätze. Dieser Aspekt bleibe leider unberücksichtigt, habe aber für den zu erwartenden Gesundheitsgewinn des Patienten und die Langzeit- und lebenslange Prognose des Kauorgans insgesamt eine Schlüsselstellung inne.
Walter nutzt sein Schreiben auch, um auf die Situation der Forschung zu verweisen. Der IQWiG-Bericht decke „das ganze schwerwiegende Dilemma zahnmedizinischer Forschung eindrucksvoll“ auf, so Walter: „Die Probleme werden von den Autoren richtig wiedergegeben. Dabei stehen Kostenaspekte, die Unmöglichkeit der Verblindung und fehlende Möglichkeiten der Randomisierung im Vordergrund.“
Walter greift auf die Kritik des Wissenschaftsrats vom vergangenen Jahr an der Forschung in der Zahnmedizin zurück und betont, dass es dennoch bisher nicht gelungen sei, „die Situation tiefgreifend zu verbessern“. Er schreibt dazu: „Ohne günstigere Rahmenbedingungen in Bezug auf Personal und Forschungsförderung aber werden eine im Vergleich zur Medizin nachhaltig verbesserte Forschungsleistung und eine höhere Evidenzbasierung des Fachs nicht erreichbar sein. Letztlich trifft dieses auf alle zahnmedizinischen Disziplinen zu, auf die Prothetik aber sicher im besonderen Maße. Natürlich müssen darüber hinaus auch interne Veränderungen und Paradigmenwechsel in den zahnmedizinischen Fachgebieten selbst erfolgen. Nur wenn man sich den diesbezüglichen Herausforderungen wirklich stellt, wird sich die beklagte unzureichende Wissenslage grundlegend ändern können.“

Quelle: DZW


Letzte Aktualisierung dieser Seite: 13.11.2009
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