Durchmesserreduzierte Implantate langfristig haltbar ?
Durchmeserreduziertes Implantat - Schmales Implantat - retrospektive Studie
Durchmesserreduzierte Implantate (Ø 2,7 mm; 2,9 mm; 3,1 mm) werden in der Implantologie immer mehr bei reduziertem horizontalen Knochenangebot eingesetzt. Anfängliche Befürchtungen, sie seien zu schwach und es gäbe Probleme mit der Osseointegration, sind bei guter Implantatplanung und Beachtung der angegebenen Indikationen nicht relevant.
Im Sinne einer minimalinvasiven Belastung des Patienten(SIC) kann durch den strategischen Einsatz schmaler Implantate auf aufwendige begleitchirurgische Techniken wie das Bone spreading-splitting, aufwendige Augmentationen oft verzichtet werden und spart schlußendlich auch Kosten bei dem implantologischen Eingriff. Nicht alle Patienten können in diesen Situationen mit durchmesserreduzierten Implantaten versorgt werden. Simultan genügt meistens ein geringes Maß an Bone spreading in Verbindung mit vestibulärer Anlagerung intraoperativ-gewonnener Bohrspäne, um diese Fälle suffizient versorgen zu können. Durch dieses erweitertes Indikationsspektrum haben durchmesserreduzierte Implantate das Potenzial in der oralchirurgischen Zahnarztpraxis ein mit wenig Aufwand realisierbarer ambulanter Routineeingriff zu werden.
In einer unlängst publizierten retrospektiven Studie (Arisan et al) wurde über einen Zeitraum von 10 Jahren die Erfolgsquote von durchmesserreduzierten Implantaten bei verschiedenen Zahnersatz-Lösungen nachuntersucht. Beurteilt wurden die kumulative Verweilquote, der marginale Knochenverlust, die periimplantären Verhältnisse und die prothetischen Komplikationen. Die Erfolgsquote betrug nach 124 Monaten 91,4 Prozent und die kumulative Verweilquote 92,3 Prozent. Von den insgesamt 316 gesetzten durchmesserreduzierten Implantaten gingen 12 Implantate in der Einheilphase verloren. Zementlockerungen waren als häufigste Komplikation zu verzeichnen. Gesteigerte Implantatentzündungen(Periimplantitis) waren bei den durchmesserreduzierten Implantaten nicht zu beobachten.Implantatfrakturen waren jedoch in keinem Fall dieser schmalen Fixturen zu beobachten ! Insgesamt kam man in dieser lang nachbeobachteten Studie zu dem Schluß, dass durchmesserreduzierte Implantate mit gutem Gewissen eingesetzt werden können. Der marginale Knochenabbau an den Implantaten beschränkte sich weitgehend auf die zwei Jahre nach Belastung und reduzierte sich danach auf ein Minimum.
Quelle: Arisan V., Bolukbasi N., Ersanli S., Ozdemir T.: Evaluation of 316 narrow diameter implants followed for 5-10 years: a clinical and radiographic retrospective study. Clin Oral Implants Res 21, 2010
In welchen Fällen können noch durchmesserreduzierte Implantate angewendet werden ?
Dauerretentionshilfe für Vollprothesen, Stegverblockung für implantatgetragene Suprastruktur
Schmale Einzelzahnlücken: Prämolaren, seitliche Oberkieferschneidezähne, Unterkieferschneidezähne, Interimsimplantate zur provisorischen Versorgung, Kieferorthopädische Implantate für Zahnbewegungen anstatt der Zahnspange
Dr.med.dent. Frank Seidel
Zahnarzt für Oralchirurgie
TSP Implantologie
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