Amalgam
Amalgam kontra ästhetische Ansprüche als Alternative
Das Ergebnis der Anfang April 2008 veröffentlichen Langzeitstudie des Zentrums für naturheilkundliche Forschung der TU München zum Thema Amalgam hatte offenbar mindestens die Redaktionen vieler Tageszeitungen überrascht: Vergleichsweise ausführlich wurde berichtet, dass „Amalgam doch nicht gesundheitsschädlich“ sei, wie es beispielsweise die Süddeutsche Zeitung zusammenfasste. Weniger überraschend war dieses Ergebnis bezüglich Amalgam für die Zahnärzte selbst, denn es gibt sicher kaum einen zahnärztlichen Werkstoff, der seit seiner Einführung so oft auf potentielle Gesundheitsschäden geprüft, verbessert und „modernisiert“ wurde: Amalgam – eine Mischung verschiedener Metalle auf der Basis von Silber – wurde vor rund 150 Jahren in der Zahnmedizin eingeführt. Bereits Anfang März 2008 hatte der wissenschaftliche Ausschuss der EU festgestellt, dass es zwar möglicherweise allergische Reaktionen auf Amalgam geben kann, der Werkstoff Amalgam aber keine Gesundheitsrisiken birgt und auch die Umweltgefahren bedeutend niedriger sind als die erlaubten Grenzwerte. Es wurde sogar ausdrücklich festgehalten, dass Amalgam weiter „zum Rüstzeug der Zahnärzte gehören sollte, um die Bedürfnisse der Patienten in der gesamten Gemeinschaft am besten zu erfüllen“, wie es der CED (Council of European Dentists) berichtete. Bei einer zahnärztlichen Fortbildungsveranstaltung der Zahnärztekammer Berlin im Februar 2008 zum Thema „Amalgam“ war der Hörsaal so voll wie selten.
Amalgam in den Berliner Praxen „Alltag“
Abgesehen von manchen Medien, die sich dem Thema Amalgam eher boulevardesk widmen und einen „Gefahrenaspekt“ kultivieren, der seit vielen Jahren aufgrund weltweiter Forschung ad acta gelegt sein dürfte, ist Amalgam an sich ein „Normalthema“ in den Berliner Zahnarztpraxen und auch bei den Berliner Patienten. „Im Jahr 2007 wurden – Statistiken der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Berlin entsprechend – rund 2 Millionen Amalgamfüllungen gelegt“, sagt Dr. Helmut Kesler, Mitglied des Vorstands der Zahnärztekammer Berlin und zuständig für den Bereich Fortbildung. Bei der von ihm geleiteten Amalgam-Fortbildungsveranstaltung im Februar seien denn auch vor allem fachliche Aspekte ausgetauscht worden: „Das Thema Amalgam ist in den Berliner Praxen Alltag, es gibt keine Kommunikationsprobleme mit den Patienten.“
Dass die Gesamtzahl an Amalgam-Füllungen nicht bedeutend höher liegt, hat mehrere Gründe, auf die Zahnärztekammerpräsident Dr. Wolfgang Schmiedel hinweist: „Die moderne Zahnmedizin ist präventionsorientiert, die Berliner Zahnärzte engagieren sich in den Praxen und darüber hinaus also primär für die Gesunderhaltung der Zähne.“ Die Nachfrage z.B. nach professioneller Zahnreinigung ist in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. „Zudem gibt es für die Patienten heute viele reizvolle Amalgam-Alternativen. auch wenn sie hier höhere Eigenleistungen aufbringen müssen. Heute sind zahnfarbene Füllungen, statt Amalgam begehrt. Ästhetik ist eigentlich der einzige Anspruch, den Amalgam, ein hervorragender langzeitstabiler Füllwerkstoff, nun einmal nicht erfüllen kann. Die Amalgam-Silberfüllung wird mit der Zeit dunkel.“
Das Berliner Naturell sei erfreulich pragmatisch: „Wir erleben das in den Praxen eigentlich fast immer so: Der Berliner an sich lässt sich nicht so leicht irre machen. Er lässt sich beraten und trifft dann meist recht pragmatisch seine Entscheidung.“ Die für Amalgam sei nachweislich allemal eine gute. Die beste: Zahnschäden weitgehend ganz zu vermeiden. „Und wie das geht, das wissen die Berliner eigentlich auch...“
Presseinformation der Zahnärztekammer Berlin
Literatur zum Thema Amalgam in der zahnärztlichen Praxis:
Wenn der Werkstoff zum Risiko wird – Diagnostik und Wechselwirkungen: Schmalz, G., Garhammer, P., Die Quintessenz 58 (2007), Nr. 11, Seite 1163 - 1168
Ähnlich wie bei Medikamenten muss auch bei zahnärztlichen Werkstoffen(z.B. Amalgam) immer mit Nebenwirkungen gerechnet werden. Ihre Häufigkeit ist allerdings bei Patienten mit < 0,1 % gering. Gleiches gilt für den Schweregrad. Daher ist das Risiko bei der Verwendung von zahnärztlichen Werkstoffen im Allgemeinen, von Ausnahmen abgesehen, vertretbar. Häufiger werden Nebenwirkungen beim zahnärztlichen Personal beobachtet, weshalb ein direkter Kontakt der Haut (und der Handschuhe) mit zahnärztlichen Werkstoffen so weit wie möglich vermieden werden sollte. Das individuelle Risiko des einzelnen Patienten muss vom Zahnarzt beurteilt werden, der für die Indikationsstellung der Werkstoffe verantwortlich ist. Er ist auch die primäre Anlaufstelle für Patienten, die bestimmte Allgemeinsymptome zahnärztlichen Werkstoffen wie z. B. Amalgam, neuerdings auch Legierungen und Kunststoffen, anlasten. Bei Anamnese und Befund ist auf Risikofaktoren zu achten, bei einer Ausdehnung der Indikation (z. B. Pulpaüberkappung mit Dentinadhäsiven oder der Verwendung von Amalgam) trägt der Zahnarzt die alleinige Verantwortung. Auch wenn in individuellen Fällen mit Nebenwirkungen gerechnet werden muss, bedeutet dies nicht, dass eine ganze Gruppe von Werkstoffen allein deshalb vom Markt ausgeschlossen werden sollte und so anderen Patienten, die dringend eine entsprechende Behandlung benötigen, vorenthalten wird.
Dr.med.dent. Frank Seidel
Zahnarzt für Oralchirurgie
TSP Implantologie
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