Zahnimplantate

Knochenzüchtung-Bone Morphogenetic Protein(BMP)-Knochenchips

Knochenzüchtung - nachwachsender Rohstoff für feste Zähne

Natürliches Knochengewebe enthält lösliche Substanzen, welche die Neubildung von Knochen anregen. Diese osteoinduktiven Proteine lassen sich mittlerweile auch gentechnisch herstellen. Ihr klinischer Einsatz könnte in Zukunft in vielen Fällen eine Knochentransplantation erübrigen.
Schon Mitte der sechziger Jahre stellte man an einer Universität in Los Angeles fest, daß sich durch Implantation von entkalkten, toten Knochen in die Muskulatur von Nagetieren neues Hartgewebe erzeugen läßt. Dieses entstand, wie die mikroskopische Untersuchung ergab, direkt am Implantat über eine knorpelige Vorstufe.

Aus diesen Befunden schloß man Ende der sechziger Jahre, daß eine organische Substanz aus der entkalkten Knochenmatrix in die Muskulatur diffundiere und dort die Neubildung von Hartgewebe anrege. (Osteoinduktion)Dieser hypothetische Stoff erhielt die Bezeichnung Bone Morphogenetic Protein (BMP), das heißt knochenbildendes Protein. Wie sich später zeigte, veranlassen die Proteinextrakte unreife Bindegewebszellen in der Nähe von Blutgefäßen, sich in Vorläuferzellen für die Knorpel- und Knochenbildung umzuwandeln. Das primäre Ziel des Einsatzes von Wachstumsfaktoren und BMP in der Implantologie ist die Verbesserung und Beschleunigung des Knochen-Implantat-Kontaktes, weil die Langzeitprognose eines Implantats unter Funktion von seiner knöchernen Integration abhängt.

Grundvoraussetzung für Zahnimplantate ist aber ein ausreichendes Volumen des Kieferknochens. Herkömmliche OP-Methoden erfordern meist einen belastenden Zweiteingriff (Augmentation)  für den Patienten. Hier wird dann der benötigte Knochen aus dem Kinn oder der Hüfte gewonnen.(Knochenverpflanzung)

Mit Hilfe der modernen Technik züchten nun Experten im Labor aus körpereigenen Zellen neue Knochensubstanz. So können innerhalb kürzester Zeit der Kieferknochen aufgebaut und Zahnimplantate eingesetzt werden. Bereits eine geringe Menge an Knochenhaut aus dem Bereich des Weisheitszahnes der Mundhöhle reichen für die Knochenzüchtung aus. In einem minimalinvasiven chirurgischen Eingriff in Lokalanästhesie kann so die Voraussetzung für neue Knochenchips geschaffen werden. Labortechniker setzen das entnommene neue Gewebe auf ein biologisch abbaubares Trägergerüst, wodurch ein stabiler Zellverband entsteht, die so genannten Knochen-Chips. Vorteile der Knochenzüchtung: gute Bioverträglichkeit, keine Schwellungen, Schmerzen oder Abstoßungsreaktionen des Körpers sowie eine deutlich geringere Operationsbelastung (SIC) für die Patienten.

Knochengewebe lässt sich aber auch in einer Umgebung züchten, die den nachwachsenden Rohstoff Knochen mit Blutgefäßen versorgt. Davon profitieren Patienten mit auch mit großen Knochendefekten. Denn ab einer bestimmten Distanz heilen große Defekte lebenslang nicht spontan (sogenannte Critical Size Defekte). Die Behandlung gelingt bislang klinisch nur mit großen autologen, gefäßgestielten Knochentransplantaten.

Um BMP-s an größeren induzierten Knochenregenerationen teilhaben zu lassen, wurde ein neues Operationsverfahren entwickelt: die Präfabrikationstechnik. Hierbei wird die Osteoinduktion aus dem ersatzschwachen Lager in ein gut durchblutetes stammzellenreiches Muskelgewebe verlegt. Das biologisch gezüchtete Transplantat wird nach sechs Wochen zusammen mit einem Muskelanteil und einer ernährenden Vene und Arterie gehoben und mikrochirurgisch anastomosiert in den Defekt transplantiert. Das präfabrizierte Transplantat verhält sich dann wie ein natürlich auftretendes, gefäßgestieltes Knochentransplantat. Es hat allerdings im Vergleich zu diesem den Vorteil, dass es bereits am Präfabrikationsort in der gewünschten Form des Kiefers geformt werden kann, so dass wenig Sekundärkorrekturen anfallen. Solche Operationstechniken werden in Zukunft nur bei größeren Kieferkammaufbauten durchgeführt, wenn später mehrere Zahnimplantate für festsitzenden Zahnersatz notwendig sind.

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Dr.med.dent. Frank Seidel, Zahnarzt für Oralchirurgie, TSP Implantologie Tel.: 033203 - 85200, 14532 Kleinmachnow bei Berlin (Potsdam Mittelmark)

 


Letzte Aktualisierung dieser Seite: 22.05.2009
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